VDS Rhein-Neckar

Diskussion

(An dieser Stelle finden Sie Diskussionsbeiträge zum Thema "Denglisch" aus dem Rhein-Neckar-Raum, die nicht unbedingt den vom VDS vertretenen Zielen entsprechen müssen, aber in jedem Falle des Nachdenkens wert sind.)

Wer eine Show macht, wird eher belächelt

Fremdwörter können eine Sprache bereichern durch feine Differenzierungen. Französisches findet man eher in gehobenem Umfeld, Englisches eher in unverbindlichem oder abwertendem Sinn und die deutschen Originale eher in nüchtern-technischem Sinn. Der Conférencier geleitet Bildungsbürger mit launiger Rede durchs klassische Konzert, der Veranstaltungsleiter kündigt auf der Fachtagung ganz trocken den nächsten Redner an, und der Showmaster labert lustig zwischen Showeinlage und Talkrunde.

Apropos Show und Talk: Eine Schau (Leistungsschau, Tagesschau) ist durchaus ernst zu nehmen, wer eine Show macht, wird eher belächelt. Beim Gespräch hört man zu, denkt nach und antwortet, das ist kein Smalltalk. Einen Geliebten liebt man, einen Lover nicht unbedingt. Über Geschäfte redet man offen, über das Dealen besser nicht. Eine Verabredung ist verbindlicher als ein Date, der Job ist nicht Beruf. Einkaufen geht man, um die Familie zu ernähren, Shoppen ist eher ein planloses Geldausgeben. Sollen wir uns diese Ausdrucksmöglichkeiten verbieten lassen? Ein ganz anderer Aspekt ist die global einheitliche Einführung neuer Begriffe in der Technik. Künstlich eingeführte Übersetzungen führen da zu Verwirrung und unnötiger Erschwernis.

Hermann Tropf, St. Leon-Rot, in einem Leserbrief in der RNZ vom 30.10.04


Schöpferische Vorschläge für allerlei "Factories"

Der Verhunzung der deutschen Sprache durch absonderliche Wortgebilde wie "Back-Factory" wird man durch pure Nichtbeachtung dieser Entwicklung auf Dauer nicht Herr werden. Im Gegenteil: Für alle, denen die deutsche Sprache am Herzen liegt, gilt es vielmehr, rechtzeitig schöpferisch mitzuarbeiten, um so die richtige Richtung vorzugeben. Deshalb einige Vorschläge, die ernsthaft erörtert werden sollten. Wie wäre es zum Beispiel mit "Hack-Factory" für den Hersteller von Äxten und Beilen oder mit "Pack-Factory" und "Sack-Factory" für die Hersteller von Kartons und anderen Verpackungsmaterialien. Nicht minder griffig scheinen mir auch "Kuck-Factory" für den Hersteller von Brillengläsern und "Lack-Factory" für denjenigen, der beschädigte Autokarosserien wieder zum Glänzen bringt. Ein wenig kniffliger wird es natürlich dann, wenn der "factory" englische Worte voran gestellt werden. Da könnte es schon zu Verwechslungen kommen, zum Beispiel bei der "Luck-Factory" - sprich "Lack-Factory"! - für ein Spielcasino. Eindeutiger wird es wiederum bei "Duck-Factory" (Geflügelzucht), "Rack-Factory" (Hersteller von Tennisschlägern) und "Puck-Factory" (Mannheimer ERC). Aber auch das Allzumenschliche sollte nicht vernachlässigt werden, egal ob der "factory" ein deutsches oder ein englisches Wort vorsteht. Beides macht Sinn, denn klingt "Kack-Factory" nicht viel bündiger als die überaus umständliche "Öffentliche Bedürfnisanstalt" und mutet "Fuck-Factory" nicht viel knackiger an als das altertümlich-schlichte "Freudenhaus". Last but not least ein Vorschlag, der angesichts der zunehmenden internationalen Einsätze unserer Streitkräfte besonders bei unseren Verbündeten auf Wohlwollen stoßen wird: Wie wäre es mit "Zack-Zack-Factory" für die Bundeswehr?

Werner Popanda, Heidelberg (diese Stellungnahme erschien auch leicht gekürzt als Leserbrief in der RNZ vom 13.11.04)


Bitte keine Kids und keinen Lover!

Warum müssen wir plötzlich eine Bäckerei zur "Back-Factory" umbennen? Plözlich haben wir auch  keine Kinder mehr, sondern "Kids", statt einkaufen geht man jetzt "shoppen", und abends ist man zu einem Event eingeladen, anderntags kommt man nicht etwa in einem Arbeitskreis zusammen, nein, zu einem "Workshop". Anschließend nimmt man gemeinsam einen Drink, und den knurrenden Magen beruhigt man mit Fast Food, und jetzt fehlt mir die Power, um diese Palette der Sinnlosigkeit weiterzuführen.

Seid doch mal ehrlich, was hört sich besser an: Ich habe einen Geliebten, oder ich habe einen Lover?

Eva Schröter, Heidelberg, in einem Leserbrief in der RNZ vom 23.10.04


Bitte Schluß mit dem Kauderwelsch

Endlich schreiben auch Sie über den Unfug englischer Wörter in der deutschen Sprache. Ich bin entsetzt, nach fast 40 Jahren in den USA solch ein Kauderwelsch in deutschen Zeitungen zu lesen. Hoffentlich gewöhnt sich die RNZ ab, weiterhin ein solches Kauderwelsch zu drucken. Dagegen sind noch eher die gelegentlichen Druckfehler zu entschuldigen.

Johanna Vogelmann, Obrigheim, in einem Leserbrief an die RNZ vom 23.10.04